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1871. Der Sieg vor 150 Jahren

Die Gründung des Deutschen Reiches am 18. Januar 1871, war die Geburt des ersten deutschen Nationalstaates. Die gefeierte Herstellung der nationalen Einheit. Der 10. Mai 2021 gilt als 150. Jahrestag des Sieges im deutsch französischen Krieg. (19. Juli 1870 bis 10. Mai 1871) Dieser wurde mit dem Friedensvertrag von Frankfurt an jenem Tag offiziell besiegelt.

Alle Ereignisse des Jahres 1871 erleben im Jahr 2021 ihren 150. Jahrestag.

Am 16. Juni wurde in Berlin der Sieg und die nationale Einheit gigantisch gefeiert. Preußen war zum Kernstaat der Nation geworden und dessen König Wilhelm Friedrich Ludwig von Preußen zum nationalen Oberhaupt und Kaiser Wilhelm l.

Die Schlacht bei Sedan vom 1. bis 2. September 1870, endete mit der Kapitulation der dort kämpfenden französischen Armee und die Gefangennahme von Kaiser Napoleon III. Der Ausgang der Schlacht war die Vorentscheidung, wenn nicht sogar die Entscheidung in diesem Krieg. Dieser Sieg markiert einen der triumphalsten Siege in der preußischen Geschichte.

Auf dem Potsdamer Platz verherrlichte ein kolossaler Kanonenberg die Siege um Sedan und den Fall der Festung. Aus diesem Berg erhob sich eine Säule, die die Statue der Viktoria trug. Nachdem das Heer durch das Brandenburger Tor trat, wurde nicht nur mit dem Jubelruf der Tausenden versammelten Einwohner begrüßt, sondern auch von den 63 Ehrenjungfrauen, die in weißer, altdeutscher Tunika gekleidet waren, begrüßt. Eine von ihnen, Jeanne Blaeser, überreichte Kaiser Wilhelm I. einen Lorbeerkranz.

Die Sieger feiern

Titelfoto: Gemälde „Einzug durch das Brandenburger Tor 1871“ von Wilhelm Camphausen (um 1880)

Der Druck nach Wilhelm Camphausens Gemälde zeigt den Höhepunkt des oben beschriebenen Ereignisses. An der Spitze seiner Truppen zieht der deutsche Kaiser Wilhelm I. mit seinem Gefolge aus königlichen Prinzen als Triumphator durch das Brandenburger Tor in seine Haupt- und Residenzstadt ein. 60 in weiße Alpakaroben gekleidete Ehrenjungfrauen empfangen den frischgekürten Imperator. Eine von ihnen, mit Namen Jeanne Blaeser, überreicht dem Monarchen nach dem Vortragen eines kurzen Gedichts auf einem weißen Atlaskissen einen Lorbeerkranz, den der Kaiser im Namen der Armee dankend entgegennimmt. Rechts von ihm reiten Kronprinz Friedrich Wilhelm und Prinz Friedrich Karl von Preußen. Etwas weiter rechts davon ist eine Gruppe Berittener abgebildet, die auf den Kaiser wartet, darunter Helmuth von Moltke sowie Otto von Bismarck in seiner weißen Kürassieruniform. Im Vordergrund beobachten Zivilisten und Uniform tragende Personen das Geschehen, während im Hintergrund weitere zahlreiche Schaulustige zu erkennen sind.

Am Abend des 16. Juni 1871 wurden, wie auch 1866, auf Kosten der Stadt öffentliche Bauten und Denkmale festlich beleuchtet, u.a. mit bengalischem Feuer. Die via triumphalis war in ihrer gesamten Ausdehnung durch Becken und Ballons erhellt. Vom Brandenburger Tor aus wurden die Gebäude am Pariser Platz durch Scheinwerfer angestrahlt.

Eine Aufgabe des Magistrats war auch dafür zu sorgen, dass längs der Einzugsstraße ordentliches Spalier gebildet wurde. Die Bürger wurden nach ihrem sozialen Stand in vorschriftsmäßiger Rangordnung „aufgestellt“. Sie standen vom Tempelhofer Feld über Kreuzberg, Hallesches Tor, Königgrätzerstraße bis zum Potsdamer Platz und von da an bis zum Brandenburger Tor, Unter den Linden entlang bis zum Schloß. Zuerst, d.h. zuunterst, also am Kreuzberg jubelten die Fabrikarbeiter. Näher zum Brandenburger Tor, dem Brennpunkt des Ereignisses, standen die Turnvereine. Auch die Studenten hatten bessere Plätze. Am besten standen die „bewaffneten Vereine“. Die Kriegerverbände jubelten Unter den Linden.

Mit Märschen und Liedern, wie die „Wacht am Rhein“, 101 Kanonendonner, Glockengeläut, Chorgesang und Jubelrufen wurde der feierliche Einmarsch in Berlin begangen.

Den einziehenden Truppen wurden erbeutete Trophäen von 12 Unteroffizieren vorangetragen. Diese Gruppe setzte sich aus einem Bayrischen, Sächsischen, Würtembergischen, Badischen, Hessischen Unteroffizieren zusammen. Das Garde-Corps stellte sieben Träger. Den Schlussakt der Feierlichkeiten bildete die Enthüllung eines Reiterdenkmals im Lustgarten für König Friedrich Wilhelm III., den Vater Wilhelms I. und Sieger über Napoleon I.

Bei dieser Einmarsch-Ordnung handelte es sich so zu sagen um ein Routine-Defilee, denn sie lehnte sich an die feierlichen Einzüge von 1864 und 1866 an. Fontane äußerte dazu: „Siehe da, zum dritten Mal ziehn sie ein durch das große Portal“.

Zusammenfassend kann gesagt werden, dass die Berliner Siegesfeier vom 16. Juni 1871 von den Zeitgenossen als eines der großen künstlerischen Ereignisse Deutschlands gewertet wurde. Der Triumph wurde aber nicht nur in dieser Inszenierung thematisiert. Künstler, Musiker, Schriftsteller zögerten nicht den Sieg der deutschen Waffen über Frankreich zu idealisieren. So komponierte Richard Wagner einen „Kaiser-Marsch“ zur Feier des deutschen Sieges. Auch Brahms schrieb eine Ode zur Erinnerung an diese großen Ereignisse.

Gustav Freytag pries die Reichsgründung als Beginn einer neuen Ära auch im kulturellen Leben Deutschlands. Diese Festlichkeit strukturierte und lenkte aber auch die Wahrnehmung der militärischen Ereignisse. Den Soldaten und den Zuschauern wurden an entsprechenden Stellen der Siegesstraße nochmals die Siege „plastisch“ vor Augen gehalten. Berlin erlebte und vermittelte an diesen Tagen eine Hochstimmung. Der Krieg mit seinen Schrecken und Entbehrungen war vorbei und der Sieg errungen.

Im Sommer 1871 wurde dieser Sieg des deutschen Heeres über das französische nicht nur in Berlin, sondern in vielen Landeshauptstädten mit Siegesfeiern bejubelt. Zu dieser Zeit war die neue Reichsverfassung, die den deutschen Nationalstaat begründete, bereits in Kraft. Eben dieses sollte auch im Festritual zum Ausdruck kommen. Nicht nur der Landesherr und seine Truppen, sondern ganz Deutschland wurde gefeiert.

Diese Doppelung musste in die Bild- und Symbolsprache der Festlichkeiten eingehen. Normalerweise wurden regionale und nationale Symbole miteinander kombiniert, so z.B. stand die Bavaria neben der Germania in München. Preußen hingegen, dass jetzt nicht nur für sich selbst stand, sondern „zum Kernstaat der gerade geschaffenen Nation geworden war“ und dessen König gleichzeitig das nationale Oberhaupt war, musste seine besondere Bedeutung auch besonders zum Ausdruck bringen. Die Feierlichkeiten zum Einzug der siegreichen Truppen am 16. Juni in Berlin machen dies deutlich. Angefangen bei der Länge der Siegesstraße, die 1866 rund zwei Kilometer betrug, waren es 1871 sechs Kilometer. Die Verdreifachung der Strecke war ein Symbol dafür, dass hier nicht allein Preußen, sondern ganz Deutschland feierte und sich feiern ließ.

Die Reichsgründung

Am 10. Dezember 1870 stimmte der Reichstag für den Vorschlag in der neuen Verfassung statt des Begriffes Präsidium des Bundes den Titel Kaiser einzuführen. Der Deutsche Bund wurde in dem gleichen Akt zum späteren Deutschen Reich erklärt. Die Verfassung trat formal aber erst am 1. Januar 1871 in Kraft. Symbolisch bekräftigt wurde die Reichsgründung am 18. Januar durch die Ausrufung Wilhelms I. zum deutschen Kaiser im Spiegelsaal des Schlosses zu Versailles nahe Paris.

Den endgültigen Friedensschluss in Frankfurt am 10. Mai 1871 verzögerte die französische Regierung möglichst lange. Die Taktik sollte die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass sich andere europäische Großmächte noch zu Gunsten Frankreichs diplomatisch einschalten. Allerdings gab die französische Regierung diese Pläne nach dem Beginn der sogenannten Pariser Kommune und militärischen Drohungen Bismarcks auf. Für die gewaltsame Niederschlagung des revolutionären Stadtrates in Paris benötigte die französische Regierung die Duldung der deutschen Besatzer. Daher waren die französischen Diplomaten bereit, die Friedensbedingungen nun zu unterzeichnen.[134]

Otto von Bismarck zementierte mit der von ihm betriebenen Reichsgründung ein Deutsches Reich unter Ausschluss Österreich-Ungarns. Die Bildung des kleindeutschen Reiches veränderte das Machtgefüge in Europa nachhaltig. Deutschland löste Frankreich als die bedeutendste Kontinentalmacht ab, weshalb der ehemalige britische Premierminister Disraeli die Reichsgründung als folgenreicher bezeichnete als die Französische Revolution.[148] Im Jahr 1871 umfasste das Deutsche Kaiserreich über 500.000 Quadratkilometer und hatte etwa 41 Millionen Einwohner. Flächen- und einwohnermäßig war es damit der zweitgrößte Staat Europas. Wenige Jahre später sollte Deutschland auch wirtschaftlich mit zu der Weltspitze gehören. Der kriegerisch vollzogene Aufstieg der neuen Macht weckte in vielen europäischen Staaten allerdings die Befürchtung einer noch weitergehenden Expansionspolitik Berlins. Das preußische Modell der allgemeinen Wehrpflicht bei kurzer Dienstzeit verbreitete sich rasch weltweit.

Der Umstand, dass die Gründung des ersten deutschen Nationalstaates eine autoritär von der preußischen Regierung durchgesetzte „Kriegsgeburt“ war, erschwerte eine innere Reichseinigung in den folgenden Jahrzehnten. Der deutsche Nationalismus ab 1871 definierte sich nun hauptsächlich in Abgrenzung zu Frankreich und unter Ausschluss von Minderheiten, den sogenannten „Reichsfeinden“ (Polen, Dänen, Katholiken und Sozialdemokraten). Der Historiker Eckart Conze meint daher, dass „ein liberaler, auch pluralistischer Nationalismus es vor dem Hintergrund der politischen Reichsgründungsumstände schwer hatte“.

Die Wahrnehmung des Militärs in der Zivilgesellschaft wandelte sich durch den Deutsch-Französischen Krieg. Die Armee galt in Deutschland nun als Geburtshelfer der nationalen Einheit. Kritik an dem Vorgehen während des Krieges, wie sie von einigen sozialdemokratischen Politikern geäußert wurde, war in der Bevölkerung nicht mehrheitsfähig. Viele militärische Normen und Verhaltensweisen flossen in den Alltag ein. Selbst in Schulen wurde ein militärischer Geist gepflegt. Zugleich beanspruchten Militärs für sich eine größere Rolle in der Politik. Ranghohe Generäle trugen häufig Forderungen nach einer weiteren Aufrüstung der Armee und Präventivkriege an die Regierung heran.

Den prominentesten Platz im Alltag nahm jährlich der sogenannte Sedantag am 2. September ein. Er erinnerte an die Schlacht bei Sedan und die Gefangennahme Napoleons III. Obwohl sich der Sedantag nie zu einem amtlich bestätigten Nationalfeiertag entwickelte, fanden in Preußen an seinem Datum festliche Veranstaltungen an Universitäten und Schulen statt. Die Kriegervereine hielten Paraden auf den Straßen ab.

Die französischen Reparationen waren einer der Auslöser des deutschen Booms der Gründerzeit. Die französischen Zahlungen gaben dem deutschen Kapitalmarkt zusätzliche Impulse und verstärkten die Investitionsbereitschaft des Bürgertums. Zwischen 1871 und 1873 entstanden etwa 928 Aktiengesellschaften. Profiteure waren insbesondere die Eisenbahn sowie die Stahl-, Kohle- und Maschinenbauindustrie.

Teile des Elsass und Lothringens fielen mit dem Frankfurter Frieden offiziell an das Deutsche Reich. Eine Volksabstimmung zur Eingliederung erfolgte nicht. Das Reichsgesetz vom 9. Juni 1871 schloss die beiden Gebiete zum neu geschaffenen Reichsland Elsass-Lothringen zusammen.

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Karsten Grzyl

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