Er hatte den italienischen Staat bereits im Würgegriff. Er war der blutrünstigste Mafia Boss der Welt. Toto Riina war grausam und intrigant. Selbst seine eigenen Leute, die ihm zu seiner Macht verholfen haben, hat er irgendwann töten lassen. Niemand war sicher. Selbst Brusca, der unzählige Male für Riina mordete, erzählte in seiner Zelle, dass er beseitigt werden sollte.
„Riina‘s Stärke lag in der puren Verachtung von Menschenleben. Dieser Mann empfand keinerlei Reue. Riina war der unangefochtene Anführer. Er geht als einer der grausamsten Kriminellen seines Landes in die Geschichte ein. Eine Bestie inmitten der westlichen Welt.“
Sergio Lari. Leiter der Staatsanwaltschaft von Caltanissetta 2008 bis 2015.
Aus Corleone kommend, eroberte er Palermo und Sizilien. Corleone zählt heute 11.000 Einwohner.
Am 16. November 1930 wurde er in Corleone geboren. Ein traumatisches Ereignis prägte ihn im Alter von 13 Jahren, als er 1943 eine amerikanische Bombe auf dem Feld fand. Beim Versuch sie zu entschärfen explodierte sie. Dabei wurden sein Vater und sein 7-jähriger Bruder getötet. Toto und sein Bruder Gaetano überlebten. Als er 18 war, ernannte Boss Luciano Liggio, ihn zum Cosa Nostra Mitglied. Riina ermordete mit 19 Jahren erstmals einen Menschen (bei einer Schlägerei) und wurde verurteilt. Nach 6 Jahren wurde er aus der Haft entlassen.

Krieg nach innen
Im 2. Großen Mafiakrieg von 1981 bis 1982 starben auf Sizilien über 1000 Menschen. Die Corleonesi mit Salvatore Riina an der Spitze setzten sich gegen die Clans aus Palermo durch.
1981 testete Riina, ob man mit einer Kalaschnikow durch Panzerglas eines Juwelier- Geschäfts feuern kann. Ergebnis: Man kann.
Der Mafiakrieg begann am 23. April 1981 mit der Ermordung Stefano Bontades und endete am 30. November 1982 als Rosario Riccobono und andere ermordet wurden. Bontade wurde an seinem Geburtstag, dem 23. April in Palermo mit Kalaschnikow Salven hingerichtet. Das halbe Gesicht wurde ihm weggeschossen. Am 11. Mai folgte Salvatore Inzerillo, der im Kugelhagel starb.

Francesco Anzelmo, der dem Killerkommando Riina’s angehörte, war bereits 1981 dabei. Er sagte: „Wir waren wahre Schlächter. Wenn ich nur daran denke, bekomme ich eine Gänsehaut. Es hat sehr viele Tote gegeben. Aber alle die starben, gehörten zur anderen Seite. Bei uns gab es keine Toten.“ Was für eine Aussage ! In Italien unter dem Namen Francesco Paolo Anzelmo oder auch Francesco Paolo Anselmo bekannt. Conosciuto con il nome in Italia Francesco Paolo Anselmo.
Riina’s ehemaliger Fahrer und Freund Gaspare Mutolo: „Für den 30. November 1982 hatte Riina ein Mittagessen unter Freunden organisiert. Nach dem Essen, während Riccobono ein Schläfchen hielt, sprang Riina wie ein Tier auf ihn drauf und warf ihm ein Seil um den Hals. Während 2 Männer den Riccobono festhielten, wurde dieser von Riina erdrosselt. Dann wurden Riccobonos 3 Leibwächter erwürgt und alle 4 in Säure aufgelöst. Seit dem 30.11.1982 war Riina der Alleinherrscher und niemand wagte es mehr seine Entscheidungen in Frage zu stellen.“
Mutolo: „Riina ließ auch seine Freunde töten, sobald sie zu mächtig wurden und damit in seinen Augen eine Gefahr darstellten.“
Giuseppe Marchese (Killer-Kommando): „Alle die Riina zu so viel Macht verholfen haben, hat Riina nach und nach ersetzt. Er versprach denen, die er benutzte, das sie die Stelle einnehmen würden, von dem den sie töten.“
Krieg gegen den Staat
Von 1979 bis 1983 wurden sehr viele Personen getötet, die den Staat repräsentieren. Regionalpolitiker, Staatsanwälte, Ermittlungsrichter, hohe Beamte der Kriminalpolizei und Carabinieri. Ausnahmslos alle Morde wurden von Salvatore „Toto“ Riina befohlen.
Salvatore Riina ordnete die Liquidierung des Richters Giovanni Falcone an. Das oberste Führungsgremium „Cupola“ und Riina’s Vize Bernardo Provenzano stimmten zu.
Am 23. Mai 1992 wurde das spektakulärste Attentat aller Zeiten ausgeführt. Mehr als 600 kg TNT, mit etwas Nitroglycerin und Sprenstoffgelatine versetzt, wurden verwendet. Unter der Autobahn nahe Capaci, wurde der Sprengstoff auf Skateboards in eine Bewässerungsröhre geschoben. Giovanni Brusca war der Sprengstoffexperte und bei der Vorbereitung und Durchführung vor Ort. Der Sprengstoff wurde von einem höher gelegenen Beobachtungspunkt fern gezündet. Von Brusca um 17.58 Uhr.
Am 19. Juli 1992 wurde der Staatsanwalt und Ermittlungsrichter Paolo Borsellino, während er bei seiner Mutter klingelte, mit einer Autobombe getötet. Ein nur wenige Meter vor der Klingelanlage geparkter PKW war mit Sprengstoff vollgestopft und wurde ferngezündet. In der Via D’Amelio in Palermo. Das Ergebnis war ein grauenvolles Schlachtfeld. Auch die 5 Männer der Eskorte starben. Der Richter i.R. Leonardo Guarnotta sagte: „Paolo Borsellino, von ihm war nicht viel übrig. Er war völlig verbrannt.“
Bei diesem Massaker hatte die Druckwelle der Explosion, Löcher in die Hauswand gerissen. Schauen Sie sich das an.
Der Staat reagierte nun im Sommer 1992, unter dem Druck der Öffentlichkeit mit der Entsendung von Militär nach Sizilien. Über 7000 Mann waren in Palermo und weiteren Standorten der Insel präsent.
Salvatore Riina war nun Staatsfeind Nr.1
Eine Spezialeinheit der Carabinieri unter Hauptmann Ultimo observierte das Grundstück des Toto Riina in der Via Bernini 55. Am 15. Januar 1993 erfolgte der Zugriff, nachdem der Citroen in dem Salvatore Riina auf dem Beifahrersitz saß, das Grundstück verlassen hatte.

Am 16. November 2013, nach 20-jähriger Haft und im Alter von 83 Jahren, wurde ein Gespräch mit einem Boss von der Sacra Corona Unita beim Hofgang im Mailänder Opera-Gefängnis aufgezeichnet. Riina sagte, dass Staatsanwalt Nino Di Matteo jetzt getötet werden sollte. Und er genoss es, mit den von ihm angeordneten Attentaten auf Richtern zu prahlen. So die Explosion, bei der Richter Rocco Chinnici am 29.Juli 1983 in Palermo getötet wurde. Körperteile und Hautfetzen von ihm, wurden auf dem Balkon des 3. Stocks gefunden.
Am Morgen des 17. November 2017, um 3.37 Uhr im Hochsicherheits Gefängnis in Parma, starb er nachdem er im Koma lag.
Giancarlo Caselli (Leitender Staatsanwalt von Palermo 1993 bis 1999 ) „Riina verfolgte seinen eigenen Plan. Zuerst übernahm er die Cosa Nostra, danach griff er den italienischen Staat an. Er schaltete sämtliche Führungspersonen in Palermo aus. Er wollte Italien von einer Demokratie zu einem Mafiastaat umformen, um ihn mit seiner Tyrannei und Strategie der Blutbäder zu kontrollieren.“
Nino di Matteo- Anti Mafia Staatsanwalt über Riina:
„Er wurde und wird als jemand wahrgenommen, der niemals von den Prinzipien der Mafia abgewichen ist und der immer im Interessse der Cosa Nostra gehandelt hat. Ich gehe davon aus, dass sich diese Meinung von Riina als rechtgläubigen Mafiaboss halten wird. Es besteht das Risiko, das andere Mitglieder ihm nacheifern und ihn als Held verehren.“
„Ich bereue nichts … sie werden mich nicht verbiegen.
Salvatore Riina 2017 zu seiner Frau Ninetta
Kein Versagen, kein Schritt zurück.“

Es war Riina, der beschloss, unliebsame Mafiosi, durch erdrosseln aus dem Weg zu räumen. Anschließend wurden sie nicht irgendwo im Garten vergraben, sondern in Säure aufgelöst. Nach meinen Informationen wurde konzentrierte Schwefelsäure verwendet. Diese wurde mit etwas Wasserstoffperoxid versetzt. Nach nur 30 Minuten war der Körper aufgelöst. Dann wurde die Flüssigkeit einfach in die Kanalisation abgelassen. Das wars.
Eine weitere Idee der Bestie Riina
Bernardo Provenzano und der Mafia-Frieden
Bernardo Provenzano lieferte Riina den Carabinieri aus. Was hat sich zugetragen ? Mafia und staatliche Behörden schlossen einen Pakt. Man kooperierte. Es wurde der „Pax Mafiosa“ , der Mafia Frieden besiegelt.
Der ehemalige Bürgermeister Palermos und Parlamentarier in Rom, Vito Ciancimino, bat 1992 seinen Sohn Massimo, mit Provenzano Kontakt aufzunehmen. Vito C. war über Jahrzehnte politischer Komplize der Bosse von Palermo.
Massimo Ciancimino erinnert sich: „Ich hatte einen Stadtplan von Palermo dabei und gab ihm Provenzano. Der kreiste auf dem Plan mehrere Örtlichkeiten ein, von denen er wusste, dass Riina sie regelmäßig aufsuchte. Als er mir den Stadtplan zurück gab, hatte er darauf sogar die Telefonnummer und weitere aufschlussreiche Angaben zu Riina´s Stadt-Villa vermerkt. Den Plan brachte ich dann meinem Vater.“ Lesen Sie auch: Prozess „Staatsmafia“ 2016.
Demnach haben die Behörden mit Provenzano (Morte 2016) gemeinsame Sache gemacht. Provenzano hat seinen Boss Toto Riina verkauft und ausgeliefert. Provenzano garantierte den Behörden das Ende der Massaker und eine Rückkehr zu friedlichen Verhältnissen. Dafür forderte er, dass die Cosa Nostra ihren Geschäften nun wieder völlig ungehindert ausüben kann. Der Pakt war besiegelt. Dazu gehörte auch die Tatsache, dass nach der Verhaftung Toto Riina’s, dessen Villa nicht durchsucht wurde. Seine Getreuen haben Wertgegenstände und den Safe mit wichtigen Akten nach Corleone gebracht. Der Staat ermöglichte es, dass die sizilianische Mafia, also die Cosa Nostra, sich nun wieder regenerieren und neu strukturieren konnte. Hin zu einer dezentralen Führung. Aber vor allem, das Ende der Massaker und Blutbäder. Und Bernardo Provenzano hat daran einen sehr großen Anteil.
Toto Riina’s Image
Die Cosa Nostra war für diesen Mann alles. Viel wichtiger und größer als er selbst. Er handelte immer im Interesse dieser kriminellen Organisation. Er hat bis zu seinem Tod niemals Geheimnisse dieser sizilianischen Mafia preisgegeben und der italienischen Justiz gegenüber niemals eine Person verraten oder auch nur belastet. Er besaß den unerschütterlichen Glauben, immer das Richtige getan zu haben. Sein Name wird noch in 100 Jahren als erster genannt werden, wenn es um Attentate und Massaker in Verbindung mit organisiertem Verbrechen geht. Unter den Mafia Legenden steht Toto Riina ganz oben. Sein Traum, in die Geschichte einzugehen, hat er wahr gemacht.
© Copyright 2019 „Totò Riina. Mafia-Legende“ by Karsten Grzyl
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